
Die befreiende Ordnung des Schreibens im Metadrehen des Großen Ganzen ist vielleicht überschätzt, nichtsdestotrotz gegeben. Guido Diego Buchwald schlenzt den Ball an den Pfosten, Rudi Völler fällt im Strafraum, die tollen Lieder der letzten Tage: Joanna Newsom –
On a Good Day; Tunng –
Santiago; Avi Buffalo –
Summer Cum; Avi Buffalo –
Where’s Your Dirty Mind. Avi Buffalo sind großartig, weil ihr Sommer nach Liebe riecht und nach Körpersekreten und das auch darf, großartig also, weil Surfmusik mit Teenage-Angst-Brodeln in den
cracks und Brüchen, also so, wie die Shins klingen sollten, würden sie keine Musik für mich und dich machen, sondern für unsere spannenden Alter Egos. Hört Avi Buffalo, schlagt Sahne in euren Herzen. Trotzdem an dieser Stelle und mit der üblichen Verspätung die Besprechung einer ganz anderen Platte, dem Debüt von
Cory Chisel & The Wandering Sons. Cory Chisel fällt natürlich spontan in die kleine Schublade mit den ganzen komischen amerikanischen Namen, die er sich mit etwa Turner Cody, Caleb Followill und meinetwegen Brendan Benson teilt. Mit dem brillanten Cody verbindet ihn sonst nicht viel, mit Followill der eh mitgedachte Prediger-Background, mit Brendon Benson wiederum den Hang zu solide abgehangenem Süd-Folklore-informiertem Songwritertum. Und auf
Death Won’t Send a Letter auch ein paar Tonspuren. Dass Benson nicht der einzige Wandering Son ist, wird angesichts dessen langen Kollaborations-Biographie kaum verwundern, da scharrt sich natürlich gleich die halbe Raconteurs / Dead Weather – Familie im Studio, und auch My Morning Jacket lässt mal als Botschafter den Gitarristen Carl Broemel anklopfen. Klingen tut’s dann halt auch so: Wie das, was man so macht mit der Viertband, wenn man selbst nur ein solider Songwriter ist, also voll okayer pastoraler, glücklicherweise nicht missionslüsternder Americana-Whisky-Folk-Rock, da mal bisschen Dylan, da mal bisschen Springsteen, manchmal zu viel, manchmal zu wenig, also: Nee. Hört Avi Buffalo!