
Plötzlich war da dieser Trend in den frühen 90er Jahren: TripHop. Ein Gebräu aus langsamen Beats, düsteren Klangteppichen, wilden Samples und eingängigen Melodien. HipHop vermengt sich mit Dub und Pop. Das Thema wird riesig, eine Veröffentlichungsschwemme überflutet den Markt und die musikalischen Glanztaten versinken darin. Das Resultat ist, dass dieses anfängliche Superetikett zum Schimpfwort mutiert. Ein paar Jahre später folgt dann die Fortsetzung: Ähnlich entspannt angelegte Song-Architekturen und Sounds werden diesmal meist als Downbeat bezeichnet. Die Vermarktungsfehler wiederholen sich und auch hier wird aus dem Großereignis in der Folge eher ein Leben in der Nische. Der Brite James Braddell betritt mit seinem Projekt Funki Porcini jedenfalls beim zweiten Durchstarten die musikalische Bühne und erhält eine Aufmerksamkeit, von der er jetzt wohl nur noch träumen kann. Das Label Ninja Tune ist eines der Labels der Stunde und Funki Porcini landete auch auf meinem Einkaufszettel. So richtig zwingend waren aber trotz toller Rhythmus-Spuren und Atmosphären weder ein Album wie „Love, Pussycats & Carwrecks“ oder „The Ultimately Empty Million Pounds“. Zwischenzeitlich hatte ich so das Interesse an Funki Porcini komplett verloren und wurde erst dank eines erhaltenen Promos des neuen Albums „On Off“ wieder auf die Klänge von James Braddell aufmerksam. Ich will nicht leugnen, dass ich die CD nicht mit großen Elan in den Player gelegt habe, aber nach mehreren Hördurchgängen attestiere ich, dass dieses Album deutlich gelungener ist, als ich dies erwartet hätte. Braddell präsentiert einen abwechslungsreichen Songreigen, der trotz aller Vielfalt wie aus einem Guss wirkt. Die Reise geht von Ambient, über typischen Ninja Tune-TripHop Sound hin zu eher jazzigeren Klängen. Das ist alles nicht wirklich Neu, doch „On Off“ ist durch einen etwas experimentelleren und mutigeren Charme angetrieben, der dieses Werk interessanter als frühere Funki Porcini Sachen macht. Und mit „The 3rd Man“ ist das bislang vielleicht wunderbarste musikalische Stück von James Braddell enthalten - ein dunkelgefärbtes und höchst atmosphärisches Pianostück, welches z. B. Leyland Kirby Fans in höchstem Maße entzücken dürfte.
www.myspace.com/funkiporcini
www.ninjatune.net/ninja/artist.php?id=7