
Die Popwelt scheint zur Zeit fest in weiblicher Hand zu sein: Lady Gaga, Beyonce, Rihanna, Lady Gaga, Kesha, Kylie, Lady Gaga ... was ist eigentlich aus den männlichen Popstars geworden? Die inhaltliche und stilistische Bandbreite der gegenwärtigen Erfolgsdamen ist häufig recht ähnlich gesteckt und hört überwiegend auf Popmusik mit deutlichen R’n’B-Anstrich, der mal mehr, mal weniger tanzbar gehalten ist. Nun folgt mit dem Debütalbum von Janelle Monáe ein gewisses Maß an Abwechslung. Zum einen macht die junge Amerikanerin vor kaum einem musikalischen Genre halt, zum anderen überrascht sie inhaltlich mit einem Konzeptalbum. Inspiriert von Fritz Langs Stummfilm-Klassiker „Metropolis“ erzählt Janelle Monáe von einem weiblichen Androiden, der ein unterdrücktes Robotervolk zu befreien versucht. Vielleicht wirkt das ganze Konzept ein wenig nach der speziellen Super-Marketing-Idee - ein Lob verdient sich die Künstlerin aber dennoch für die Tatsache, dass sie auf die so geläufigen Beziehungsgeschichten- und Herzschmerz-Standardthemen verzichtet. Vielleicht kam der Rat zu so einem Konzept auch aus dem Kreis ihrer prominenten Fürsprecher. Zum einen stammt Monáe aus dem Outkast-Künstlerumfeld und „featured“ beim grandios fetzigen „Tightrope“ Big Boi von eben Outkast. Zum anderen hat die Dame beim ausgesprochen geschäftstüchtigen P. Diddy einen Künstlervertrag unterschrieben. Die Vorzeichen für eine erfolgreiche Karriere auf dem launischen Musikermarkt sind also eher positiv zu werten. Dem Zufall wird mit dem Album „Archandroid“ jedenfalls nichts überlassen. Das gesamte Album wirkt aufwändig produziert und kann zudem mit einem guten Songwriting überzeugen. Wie eingangs bereits angedeutet lässt sich Janelle Monáe dabei auf kein Genre komplett festlegen. Auch dieses Album ist zwar in der Basis ein R’n’B getränktes Popwerk, verschließt sich aber dennoch nicht vor Genres wie Indierock, Funk und Jazz. Diese lockere Melange sorgt auf jeden Fall für Kurzweil. Allerdings werden die meisten Hörer auch Stücke vorfinden, auf die sie vielleicht eher verzichten möchten. Für mich ist es zum Beispiel der wüste Rocker „Come Alive“, der mich an die überflüssigen Rockausflüge von N.E.R.D. denken lässt. Die Qualität von „Archandroid“ schmälert das aber trotzdem nicht, es bleibt einfach ein wenig Geschmacksache.
http://www.jmonae.com/