Zwei Stunden Fahrt sind es nur nach Köln, aber die Bahn verlangt dafür ein Vermögen. Zwei Stunden Fahrt für eine Stunde Konzert? Nun, es sind Autechre. Und was tut man nicht alles, um Namen auf seiner "Wollte ich schon immer mal sehen"-Liste abzuhaken.
Rob Hall klingt nicht nur nach einem Allerweltsnamen für elektronische Künstler, er klingt auch beinahe genauso Allerweltig. Ein ganz nettes Rahmenprogramm für Davor, Dazwischen und Danach, aber nicht mehr.
SND hingegen machen Freude. Super-Minimalismus der Spannung immer nur aufbaut, der über eine Stunde lang mit den selben wenigen Samples auskommt und immer wieder ganz kurz vor dem großen Break steht ohne ihn je zu erreichen.
Eine Stunde ist schließlich angesetzt für Autechre, und eine halbe davon schließe ich die Augen und erlaube meinem Kopfkino, die wirrsten Bahnen zu ziehen. Abstrakte Bilder wandeln sich in glitzernde Städte. An Roulette-Tischen vorbei geht es in Maschinenräume, hinaus auf die See, hoch zu Festungen und durch blitzende Tunnel, es ist schon seltsam was man auch ohne Psychoaktive Drogen aus seinem Gehirn heraus holen kann. Musikalisch: Werkschau. Mal klingt's nach Confield, mal ist's tanzbar, aggressiv und wieder verspielt, Referenzen an die Gegenwart und die Vergangenheit. Letztendlich sind die Alben von Autechre nur Momentaufnahmen der aktuellen Soundwelten in denen sich das Duo bewegt, und so ist das Konzert eben auch eine Momentaufnahme. Eine die trotz ihrer Kürze jede Fahrt rechtfertigt.
Etwas erstaunt musste ich ja heute feststellen, dass es nur ganz wenige Musik gibt, die ich heute wie vor zehn Jahren gerne höre. Värttinä gehört dazu, etwa seit 1997, seit ich diese Leidenschaft für skandinavische Folkmusik entwickelt habe. Skandinavien ist weit und Karelien gehört schon fast nicht mehr dazu, geographisch wie auch musikalisch. Aber zum Konzert: Eine Sängerin krank, macht man eben zu zweit Musik, natürlich mit großartiger Backing-Band, allesamt brilliant an ihrem Instrument. Und während das Schlagzeugsolo wahrscheinlich von den meisten als Höhepunkt genannt worden wäre, fand ich ja vor allem die lässige Lockerheit von Geige und Akkordeon umwerfend, weil zur spielerischen Musik passend.
Und schon wieder schweife ich ab, aber was soll ich schreiben? Superlative finden? Langweilig, passen auch irgendwie alle. Steigerungsformen und Synonyme von schön, präzise, charismatisch, gut, alles drin. Gespielt: kaum was neues, viel altes, "Aitara" genauso wie "Vihma", zwischendrin ein paar soli, A-Capellas, Duette. Und alles so natürlich, dass der Lachkrampf, der die Zugabe-zur-Zugabe "Aitara" unterbricht nicht im geringsten deplaziert wirkt. Genauso wenig wie ländliche, konservativ anmutende "wenn der Mann betrunken heimkommt gibts haue"-Texte. Kann man hier getrost als "gehört dazu" abstempeln und schön finden. Wirklich.
Man muss nicht Musiker oder Produzent gewesen sein, um Musikgeschichte geschrieben zu haben. Manchmal reicht es auch einen Legendären Musicclub gegründet wie das CBGB in New York gegründet zu haben.
Im Alter von 75 Jahren ist Hilly Kristal nun gestorben, zehn Monate und zwei Wochen nach der Schließung des Clubs.
Gustav und To Roccoco Rot. Neujahr 2007. 20 Uhr, also direkt nach dem Frühstück. Das ganze in der nahezu ausverkauften Volksbühne, die mich dank Studentenausweis sogar vergünstigt hinein lässt. Leider auch zu spät, was aber eher meine Schuld ist.
Gustavs zweite halbe Stunde war aber großartig. Dieser leicht verschrobene Humor zusammen mit wunderbarem elektronischen Pop macht Spaß, auch die, die erst auf dem hoffentlich bald erscheinenden zweiten Album zu hören sein werden.
To Roccoco Rot machen auch Spaß, allerdings anders: sie machen gemütlich, lullen ein, lassen mich sanft in das Reich der Träume entgleiten. Kurz vor Ende wache ich (das kurze "im Halbschlaf Applaus geben" ausgenommen) wieder auf. Nichts bereuend, war nämlich wirklich schön.
Ich hatte World Music ja schon immer für ein Schimpfwort gehalten. Folklore, Folk, was auch immer. Aber keine World Music.
World Music war für mich das, was über-esoterisierte Hausfrauen am Ein-Euro-Tisch kaufen bevor sie beim Tee darüber schwadronieren, dass die Neger es doch ohne moderne Technik viel besser haben.
Den Gipfel all diesen multikulturromantischen Rassismus in Musikform und damit die Bestätigung für meine Behauptung sah ich aber erst vor ein paar Tagen beim Fahrradfahren: afrikaner.de - ein "Afrikanisches Orgelkonzert". Für den aufgeschlossenen Bürger von heute, der zwar schon so ein bisschen andere Kultur mag, aber nicht wenn die Neger so ganz andere Rhythmen haben mit denen der gute Europäer dann auch nicht so klar kommt. Deshalb: Bach und Beethoven mit Trommeln und so ein bisschen Gesang. Das ist gefällig und paßt sehr gut zum Kaffeeklatsch am nächsten Wochenende, wo man dann übrigens auch dringend mal den schlechten Einfluss von McDonalds zur Sprache bringen muss.
Weia!
Kleiner Tipp am Rande: Mein Freund Manuel aka Das Wesen hat soeben seinen ersten Release veröffentlicht. Lohnt sich sowohl als Download als auch als gekaufte CD-R. Letztere gibt's sogar mit reihenweise Bonusmaterial wie Samples, Sequences und Reaktor-Ensembles. Bestellen geht hier und die Musik gibt's dort. Viel Spaß!
Das WMFU-Blog hat eine mittlerweile Atemberaubende Sammlung von 65 68 Coverversionen von "Stairway to Heaven" zusammen getragen. Anzahl steigend. Unter anderem dabei: Stairway to Heaven rückwärts, mehrere Symphonieorchester, Pat Boone und die Foo Fighters sowie viele weitere kleinodien. Lohnenswert!
'Allo 'Eidelberg! Tönt es durch den Karlstorbahnhof, bevor zusammen mit einem extrem dicht gedrängten Publikum zu "Blow" herunter gezählt wird.
Kurz zuvor aber erst einmal Petephilly & Perquisite, die zwar recht tight daher kommen und auch eine selbstbewußte Show abliefern, aber zumindest mich nicht so sehr überzeugen können. Recht durchschnittlicher, leicht intellektueller US-HipHop, hat so ein bisschen was von Jurassic 5 und birgt kaum Interessantes, Überraschendes oder Neues, zumindest fehlt mir nicht viel, als ich beim Getränkeholen kurz vor der Fußball-Leinwand stehen bleibe und zuschaue, wie Deutschland gegen Italien untergeht.
Aber zurück zur Saian Supa Crew. Diese blau-weißen, blinkenden Lichter im Hintergrund haben zusammen mit dem Nebel und der Körperhaltung der MCs etwas, was ich auf englisch creepy nennen würde. Man merkt, dass SSC in Frankreich größere Hallen gewohnt sind. Und auch mehr Mainstream. Typische "Links gegen Rechts"-Schrei-Wettbewerbe, ein "Shake your Ass"-Contest und ähnliche spielereien zeugen zusammen mit dem für solch eine Halle fast schon überdimensionierten Leuchtwerk davon.
Zwischen den Spielen gibt's einige Songs vom "Hold-Up"-Album. Roland fand das ja ziemlich phänomenal, ich hatte da so meine Bedenken. Live macht's auf jeden Fall Spaß.
Zu späterer Stunde (also 2 von 2(!)) dann das bei Rockkonzerten übliche Drumsolo. Zuerst an den Turntables, dann per Beatboxing, also aus dem Mund-Rachen-Bereich. Atemberaubend. Drei oder mehr Zugaben (der letzte Bus wartet nicht auf uns) runden das ab. Schöner Abend!
8Bit-Musik ist so ungefähr die Höhlenmalerei der Computermusik. Meistens basiert sie auf dem sehr limitierten MOS Technology 6581 SID-Soundchip, der seinerzeit vor allem im C64 verbaut wurde. Dass sich damit ordentlich musizieren lässt, hatten zwar schon Komponisten wie Chris Hülsbeck mit der Begleitmusik von Computerspeielen bewiesen, und die Datenbank High Voltage Sid Collection zählt mehr als 30.000 Dateien, die großen Sprünge wurden aber erst später gemacht.
Dennoch gibt es eine ganze Menge Sid-Musik zu entdecken, wie auch der famose 8BitMayhem-Podcast auch knapp 20 Jahre später noch beweist. 8BitBetty geht noch ein paar andere Wege. Klar, der 6581 ist die Basis, aber zumindest "Too Bleep to Blop", kürzlich auf dem Netlabel Hippocamp erschienen, ist mehr. Verspielte Klänge aus einem oder mehreren C64 (oder anderen Gerätschaften mit SID-Chip, die seit einigen Jahren existieren), vermischen sich zusammen mit non-Sid-Elektro, und leicht vocodisiertem Gesang zu sehr lässigem, bisweilen träumerischem 8Bit-Elektropop. Und weil das Album unter Creative Commons veröffentlicht wurde, kann man sich auch einfach mal selbst davon ein Bild machen. Da archive.org mitunter sehr langsam ist, kann man sich das Album auch hoffentlich etwas schneller von unserer Seite laden. 01-Was That Away Message For Me? 2-And I Know That You're Happy(Ballad Of The Lonesome Spaceboy) 3-Nikomas Theme(Extended Mix) 4-Spooky Loop 5-Reading Rainbow 6-Green Kangaroo 7-Blast Off
Nein, ehrlich: obsolete.com hat eine wunderbare Geschichte der elektronischen Musikinstrumente zusammengestellt - vom Musikalischen Telegrafen 1876 bis zu den Synthesizern, Samplern und vielen anderen Geräten der Neuzeit, wenn man einmal PCs und ihre Software aussen vor lässt. Großartige Sache! (Link)
In einer kleinen Reihe von Netzfundstücken muss ich natürlich eine Live-Aufnahme von Kenji Haino zusammen mit Coil verlinken. Aufgenommen in Kiin Kichijoji, Tokyo im September 2003. Das ganze kommt netterweise via Swen der es schafft, viel mehr Blogs zu lesen um Netzfundstücke auszugraben als wir es je schaffen könnten. Zumindest mit unserer momentanen Personaldecke...
Das WMFU Blog hat eine sehr rare Aufnahme, unter anderem von Sun Ra sowie Al Kooper's Blues Project aus den 60er Jahren ausgegraben. Diese wurde unter dem Namen "The Sensational Guitars of Dan and Dale" als Soundtrack zur Batman&Robin-Fernsehserie von einer New Yorker Spielzeugfirma publiziert, um Lizenzkosten zu sparen wurden frei verfügbare Werke von Tschaikowsky und Beethoven als Basis genommen. In einem Artikel verlinkt das Blog einige Mp3s und ruft dazu auf, den bisher unbekannten Sänger des siebten Tracks, Robins Theme zu indentifizieren.