Besonders mit seinem letzten und überwiegend düster gehaltenen Album "Black City" hat Matthew Dear für Begeisterungsstürme gesorgt. Einem größeren Publikum dürfte er vor allem durch seine Teilnahme als Opener auf der letzten Depeche Mode Tour bekannt geworden sein. Vielleicht hat ihn das auch dazu inspiriert nun mehr in Richtung Pop zu schielen. Denn die unglaublich fantastische Vorabsingle "Her Fantasy" aus seinem Ende August erscheinenden Album "Beams" ist ein packender und hypnotischer Pop-Song, der für entsprechende Vorfreude sorgt. Voila:
Auch wenn um die veröffentlichungsarme Weihnachtszeit herum die Pause bei echoes-online "etwas" zu extrem ausfällt, 2012 wird es wieder wie gewohnt weiter gehen. Bis dahin zumindest ein kleines Posting:
Den ganz großen Musiktrend hat es wie in den letzten Jahren sicher auch 2011 nicht gegeben. Ein Minitrend war aber sicher eine gewisse Entschleunigung oder Entschlackung, die ein paar Künstler wie James Blake oder Nicolas Jaar vollzogen haben. Diese haben bewusst mit Leerstellen in ihrer Musik gearbeitet und gerade mit dieser Zurückhaltung für große, intensive Momente gesorgt. Losgetreten hat das Revival des minimalen Ansatzes vermutlich die britische Band The xx im Jahr 2009. 2012 soll nun das zweite Album dieser "Vorreiter" erscheinen und pünktlich zu Weihnachten gibt es die ersten Klänge in Form eines Demos zum Stück "Open Eyes" zu hören. Voila:
Und so lief ich hinaus aus der Konzerthalle, dem verwegen-dunklen Breslau entgegen, 2009, ein Fiepen auf den Ohren, das mich so heiligwach scheuerte, dass ich mich frug, ob das nur Echo oder gewolltes Ausfaden einer Liveperformance ist, der ich nicht aber eben erst beiwohnte, sondern die sich als Vorgruppe von OCEANSIZE vor bald zwei Stunden ereignete, da aber so groß war, dass sie den Einsatz der britischen Progrock-Größe aussehen ließ, sie den Einsatz einer freiwilligen Feuerwehr beim hektargroßen Waldbrand. Das Fiepen trag ich jetzt seit anderthalb Jahren mit mir rum, erkläre es gern und nenne die verantwortliche Gruppe: Tides From Nebula. Eine Warschauer Band, die sich schickt, Europatouren zu starten, die für die spärliche Bekanntheit der Gruppe so dick aufgetragen wirken, dass man meinen will, man verpasse da doch vielleicht wirklich was. Und es muss hier letztlich deutlich werden, dass man es mit einem „klassischen Geheimtipp“ zu tun hat. Debütalbum „AURA“ ist in Deutschland übrigens nicht wirklich beziehbar, wird man sich also diesen April in Wiesbaden, Konstanz, Leipzig oder Berlin am Merch-Stand besorgen müssen. Nach dem Konzert natürlich, mit einem glückseligen Fiepen im Ohr, einen kleinen Schatz nach Hause tragend.
Mal nicht pompös gedrängelter Postrock, keine pseudoepochale Pose, kaum gebrochenes Getue nach dem Bruch im Bruch, nirgends dionysisches Nerdsein, und auch bloß keine Fassade barocker Opulenz - was auch immer das alles heißen soll. Nein, all das jedenfalls nicht, sondern das gesunde, sympathische Gegenteil: You Slut!
Und pssst, "Critical meat", das im Mai auch in Deutschland erscheinende Debut von You Slut!, lässt sich auf Youtube zusammengeklaubt vollständig anhören...zum schon mal gut finden natürlich nur.
Obwohl das Musikgeschäft mit starken Absatzrückgängen in den letzten Jahren recht kompliziert geworden ist, ist es durchaus schön zu sehen, dass sich einige lieb gewonnene Labels hartnäckig gegen die schwierigen Marktbegebenheiten behaupten können. Warp hat bereits im vergangenen Jahr mit diversen Aktionen und einem famosen Boxset ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Ninja Tune hat vor kurzem nachgelegt und sich ebenso für 20 Dienstjahre mit zwei ausgesprochen gelungenen Compilations und einem Boxset, hochleben lassen. Und ganz aktuell folgt mit City Slang die nächste sehr traditionsreiche Plattenfirma mit einer 20-Jahres-Feier. Aus diesem Anlass gibt es derzeit unter dieser Adresse http://www.cityslang.com/slang20remixes/ diverse Remixe (u. a. ein Supermayer Remix für Broken Social Scene) kostenlos zum downloaden und einige Neuauflagen von erfolgreichen City Slang Alben. Einer der besten Alben aus deutschen Landen, „Neon Golden“ von The Notwist, wird z. B. um eine DVD mit einem sehr interessanten 90-minütigen Dokumentarfilm erweitert. Die Calexico Alben „Feast Of Wire“ und „Hot Rail“ erhalten umfangreiche Bonus-Discs bzw. Bonus-Vinyl-Beilagen (je nach Format) mit Studio-Outtakes und Remixen. Das Lambchop Album „Nixon“ wird um eine Konzert-DVD mit einem Auftritt aus der Royal Festival Hall erweitert. „Is A Woman“ wiederum enthält eine 16 Track Bonus-Zugabe. Die spektakulärste Veröffentlichung ist dann allerdings die Lambchop Tourbox auf 8 CDs und 2 DVDs. Alle Informationen zu den Veröffentlichungen finden sich auf dieser Seite: www.cityslang.com/twenty. Ich gratuliere herzlich zu diesem runden Geburtstag und freue mich auf künftige Highlights aus dem Hause City Slang.
2009 hieß es bei den von mir liebgewonnenen Crocodiles noch etwas romantisch, ja naiv "I wanna kill". Seit gestern nun: "Kill Joe Arpaio". Diese Worte betiteln jedenfalls den erste Track der EP "Fires Of Comparison". "Alright!!", betitele ich. Dank gewohnt overdriven Dreampop und mäanderndem Prog-Drugrock dürfte dem KLICK zum kostenlosen Download eben dieser gestern veröffentlichten EP nichts im Weg stehen. Leicht verdienter Appetizer fürs zweite Album "Sleep forever". Danke, werte Crocodiles.
In jüngster Zeit orakeln einige Medien ein Comeback des Alternative-Rocks herbei, wie er in den 90er Jahren groß war. Die Silversun Pickups aus Los Angeles erfüllen diese Schublade dann wohl ganz gut und werden bereits mit den Smashing Pumpkins verglichen. Ein breitflächiger Klangteppich mit markantem Basslauf, schweren Drums, bratzigen Gitarren und hymnischen Momenten. Die Single "Panic Switch" erinnert mich schwer an Butch Vigs Garbage Projekt und ist tatsächlich ein richtiger Hit. Hier geht es zum Video: http://www.tape.tv/vid/57852
Am 10. Juni präsentiert die Band den Song übrigens bei Germanys Next Topmodel, falls das jemand sehen sollte.
Wer will denn nicht wissen, was ein Udo Lindenberg so wirklich alles im Hamburger Hotel Atlantik treibt? Eine Möglichkeit wäre, ihn selbst zu fragen. Wie das geht? Zum Beispiel ein Gewinnspiel-Los zu kaufen, was mit der nötigen Portion Glück, eben genau zu diesem Treffen führen kann (Jan Delay ist übrigens auch noch dabei). Diese Verlosung ist übrigens eine Aktion des Hilfsprojekts "Meet For Haiti", welches die Erdbebenopfer in Haiti unterstützt und weiterhin auf dieses, mittlerweile in den Medien nicht mehr statt findende, schreckliche Ereignis hinweisen will. Insgesamt sind da 30 Prominente, die ein privates Treffen mit ihnen anbieten. Alle Infos zu dieser Hilfsaktion findet Ihr unter www.meetforhaiti.de
Nach dem gelungenen, aber auch etwas anstrengenden Debüt von Gonjasufi präsentiert das Warp-Label dieser Tage bereits ihr nächstes neues Signing im Albumformat: Das Duo Nice Nice aus Portland, die ihre Musik selbst als „post-everything modern music“ umschreibt. So nichtssagend diese Beschreibung ist, so treffend ist sie andererseits. Nice Nice bedienen sich eifrig an Rock- und Electro-Spielarten und liefern dabei ein energetisches Gebräu mit allerlei Loops, Noise-Elementen und Psychedelic-Zutaten ab. Eine Albumbesprechung zum Debüt „Extra Wow“ folgt demnächst. Bis dahin wird erstmals eine kleine Tourdokumentation über die Europatour vom vergangenen Dezember empfohlen:
Sehr lange war da sehr wenig zu sehen, auf der Haldern-Homepage. Nun endlich erbarmen sich die Macher_innen des süßesten konservativen Kuhwiesenindiefestivals der Welt und werfen neben einem ersten Strauß Bestätigungen auch gleich den Überbau in den Ring: Unser Festivalmotto 'Klima im Wandel der Zeit' verknüpft zeitgenössische Themen, intelligente und gefühlsbetonte Musik, das existenzielle Lebensgefühl und kommuniziert dies alles intensiv und viral. Diese klassische Kultur-Wort-Hülse: 'Klima im Wandel der Zeit' wedelt sozusagen den Hund und damit nicht exklusiv das Weltwetter. Nun, OK, das wird dann sicher noch theoretisch aufgefüttert und mit Leben gefüllt, wie es in den letzten Jahren ja doch auch immer der Fall war – hoffentlich. Die letzte Ausgabe blieb nämlich, und in der Wahrnehmung bin ich ja weißgott nicht allein, sowohl künstlerisch als auch atmosphärisch eher mau – gemessen am hohen Standard, den das letzte Vierteljahrhundert am Niederrhein so gesetzt hat, natürlich.
Musikalisch zeigt sich die erste Runde, bei der scheinbar vor allem das Spiegelzelt gut aufgefüllt wird, bunt gemischt. Hauseigene Middle-of-the-Road-Favoriten wie Mumford & Sons und The National treffen auf Pitchfork-Acts wie Dan Deacon, Micachu & The Shapes und Local Natives, dazu sichere Indielieblinge wie Beirut (endlich mal!), Efterklang und Portugal. The Man. Regelmäßige Haldernbesucher_innen können aufatmen: Die James Blunt der geschmackvollen Indieboys, Lonely Dear, bleiben diesmal endlich wieder zu Hause. Dafür wird sogar die Hype-Ecke bedient: Mit den Madchester-Revival-Hipstern von Delphic. Und dann gibt es noch die Whale Watching Tour, das gemeinsame Sound-Performance-Projekt der Hinter-den-Kulissen-Männer Nico Muhly, Valgeir Sigurdsson, Ben Frost und Sam Amidon. Das lässt sich doch sehr gut an, und einiges steht ja auch noch aus… Die komplette Liste der Bestätigungen findet sich hier; das Festival findet statt vom 12.-14. August 2010.
NRBLN, so heißt ein gemeinsames Kulturprojekt des Goethe-Instituts Nairobi und der beiden Musiker Andi und Hannes Teichmann, besser bekannt als Gebrüder Teichmann. Im Rahmen dieses Projekts reisen die Teichmanns mehrfach nach Nairobi um dort u. a. mit afrikanischen Musikern an Aufnahmen zu arbeiten, die auf einer gemeinsamen CD veröffentlicht werden sollen. Die Gebrüder Teichmann werben auf dem afrikanischen Kontinent mit elektronischer Musik aus Deutschland und präsentieren uns im Gegenzug elektronische Musik und HipHop aus Afrika. Im Frühjahr wird die nächste Reise nach Nairobi statt finden, die von Arte und ZDF begleitet und dokumentiert wird. Die interessanten Reiseeindrücke von diesem kulturellen Austauschprogramm präsentieren die Teichmanns auf dieser empfehlenswerten Webseite: gebruederteichmann.posterous.com. Dort lässt sich u. a. auch nachlesen, welche weiteren Musiker bei diesem Popkultur-Projekt beteiligt sind.
Nun hat das Internet neben den CD-Verkäufen also auch noch die klassische Plattenkritik vernichtet. Zumindest die spex hat sich mit ihrer aktuellen Ausgabe von dieser Art der Musikbesprechung verabschiedet. So liest man in Heft 324 folgende Aussage: „Längst lesen wir in Internet-Foren oder –Blogs am selben Tag, an dem eine neue Schallplatte digital durchsickert, (meist sehr subjektiv) über Positionen zur Musik und können sie uns oft auch schon anhören. Die Frage stellt sich, was eine Plattenkritik, verfasst von einem Autorenindividuum als Absender, Wochen nach Veröffentlichung, noch Relevantes zum Diskurs beitragen kann?“ Die Antwort der spex stellt eine neuartige Form der Besprechung dar. „Pop Briefing“ nennt die Redaktion dies und der Leser darf sich auf eine „mehrstimmige Erzählung“ zu einem Album freuen. Jedes für den Plattenteil ausgewählte Album wird nun sogar „multiperspektivisch beleuchtet“. Konkret bedeutet dies, dass drei bis vier Autoren pro Thema an einem „virtuellen runden Tisch“ sitzen und ihre Gedanken zum entsprechenden Werk niederschreiben. Leider wird mir übel, wenn ich so eine Einleitung und Erklärung zum „Pop Briefing“ lesen muss. Ist dieser Titel schon dumm genug, sind die „neuen“ Rezensionen nun ein richtiges Ärgernis. Bislang hatten sich Autoren meist bemüht, geistreiche und tiefgründige Worte zu einem musikalischen Werk zu finden. Der Leser bekam eine subjektive Perspektive eines Autoren geliefert, die, ob nachvollziehbar oder nicht, zumindest eine prägnante Meinung darstellte. Nun plaudern mehrere Autoren drauf los und reihen ihre Geistesblitze mit ganz viel Insider-Wissen aneinander. Was dabei entsteht, sind Textsammlungen mit einem hohen Maß oberflächlichen Gelabers. „Multiperspektivisch“ - aha! Wenn sich die spex von der Schnelligkeit des Internets überrollt fühlt, wieso wird dann auf Betrachtungen zu Platten wie Annie, Julian Casablancas, Rammstein und Lady Gaga nicht gleich ganz verzichtet? Man könnte doch auch komplett auf Verlangsamung setzen und einen Gegenpol bilden – mit cleveren und tiefgründigen Betrachtungen zu Themen, die im rasanten Tagesgeschäft des Webs untergegangen sind. Aber klar, ohne die großen Namen und Konsensthemen geht’s ja doch nicht, da die Auflagenzahlen im Keller sind und die Anzeigenkunden auch irgendwie zufrieden gestellt werden müssen. Also bleibt die Themenauswahl bestehen und statt interessanter und mitunter hilfreicher Besprechungen, bekommen die Leser nun eine Nachbildung eines Internet-Forum-Strangs präsentiert. Respekt zu dieser Entwicklung. Das ist keine gute und neue Idee, sondern die offenbarte Orientierungslosigkeit innerhalb eines veränderten Musik- und Medienmarktes.
Yippiejayeah, endlich mal wieder ein echoes-Beitrag, der nicht verbiestert klingt wie ein Adorno-Seminar in hell – und der Anlass erst! Eines der schönsten kleinen Alben des tollen Sommers Null-Sieben kriegt also endlich einen Nachfolger - die Folktronica-Magier_innen von Tunng haben sich wieder heimlich des nachts in den Bohème-Kindergarten (oder wo auch immer dieser Sound entstehen mag) eingeschlichen, um mit And Then We Saw Land ein Album einzuspielen, dass zumindest in der Covergestaltung eher an die Frühzeiten anknüpft als an das knallbunte Weirdo-Pop-Wunderwerk Good Arrows. Zu solcher Musik geht wohl die Sonne auf, ist mir damals glatt entfahren bei der ersten Begegnung auf dem Haldern, und das würde ich auch nach wie vor unterschreiben. Ach, mittlerweile weiß ich das ja auch. Erscheinen wird And Then We Saw Land am 1.März 2010 über Full Time Hobby.
Eine sehr kreative Idee, Neugierde für ihr neues Album zu kreieren, kam der Band The Happy End. Die offizielle VÖ ist erst Ende Februar 2010. Wer das neue Werk "Echoes Of Jericho" jetzt schon hören will, der kaufe sich ein T-Shirt!!! Das Shirt ist mit der Tracklist und dem Artwork bedruckt. Und nun der Clou: Das textile Schmuckstück enthält auch noch einen aufgedruckten Download-Code für das Album. Die Mail-Bestelladresse und ein paar Bilder gibt es hier: www.thehappyendisnear.com
Nur, dass es nachher nicht heißt, hier hätte jemand verpasst, wie Grizzly Bear tatsächlich eine visuelle Entsprechung für ihren somnambulen Sunshine-Pop gefunden haben. Nicht, dass Veckatimest in seiner psychedelischen Farbgewalt jemals einfach zu dechiffrieren wäre, aber das Video zu Ready, Able schlägt jeder Deutungshoheit doch noch einmal kräftig an die Wange, die daraufhin wachsflüssig und holzstiftgrün am hohläugigen Schädel hinuntertropft, was im Betrachter ein unbestimmtes Gefühl von Melancholie, Fluchtinstinkt und Unwohlsein auslösen könnte. Was soll man dazu auch sagen?
Regisseurin Allison Schulnik ist bislang eher in traditionellen Kunst-Kreisen aufgefallen, Ready, Able ist ihr erstes Musikvideo. Wer sich allerdings die neo-postimpressionistischen Gemälde und surrealen Skulpturen (und natürlich den Animationsfilm Hobo Clown) anschaut, die sie auf ihrer Website präsentiert, wird durchaus verstehen können, warum Grizzly Bear eine Zusammenarbeit suchten. Heraus kommt, wie bereits angedeutet, eine umwerfende Begegnung von Bildender Kunst und Musik als Stil- und Mediencollage, eine überbordende Spielwiese düsterquerdenkender Phantasie.