Daft Punk - Random Access Memories25. May 2013 / Kategorie: Tonträgerwww.daftpunk.com CocoRosie - Tales Of A Grass Widow19. May 2013 / Kategorie: Tonträgercityslang.com/cocorosie/ ReBeat II: Mac DeMarco, Sean Nicholas Savage, Jonathan Meese, Wirren des theoretischen Denkens17. May 2013 / Kategorie: oder so
Groß angekündigt das letzte Mal: Jede Woche, neue Motivation, blabla - dann ging echoes leider offline, meine Texte woandershin, wo sie auch mal jemand liest (vielleicht), und die (tolle, finde ich nach wie vor) ReBeat-Idee erstmal zurück in jenes weißen Äther, aus dem der liebe Gott die kleinen Kinder herauszieht. Weil es aber zu schade drum wäre: Nun, zweite Auflage. Vor allem von Konzerten ist zu erzählen, diesmal.
"ReBeat II: Mac DeMarco, Sean Nicholas Savage, Jonathan Meese, Wirren des theoretischen Denkens" vollständig lesen Born Ruffians - Birthmarks7. May 2013 / Kategorie: TonträgerDie Born Ruffians waren schon 2008 eher der kleine Außenseiter in der Neue-Wege-Indie-Troika, die sie mit den parallel debütierenden Vampire Weekend und den Foals bildeten. Red, Yellow & Blue hieß ihr Beitrag zum damaligen Sound des euphorisch-nervösen, immer afrophilen Zuckens, ein Album, das mich damals zugegebenermaßen eher kalt ließ – ganz anders als der Nachfolger Say It, zumeist positiv beschieden und folgenlos durchgewunken, mir aber nach wie vor eines der liebsten Alben des Jahres 2010. Fünf Jahre nach ihren Debüts haben Vampire Weekend ihren Jahrzehnts-Blueprint-Song längst geschrieben (Diplomat's Son), die Foals sich für geschmackvollere Massen enthysterisiert und die Born Ruffians sich endgültig ihrem Schicksal gebeugt, in der zweiten Reihe zu spielen. Birthmarks, Album Nummer drei, ist der Versuch, den eigenen Stil zu zähmen, Songs zu liefern statt bloße Ideen von Songs, die der Hörer sich dann, beinahe im Sinne des Barthes-schen Lesers, quasi selbst schreiben muss. Und es sind sind natürlich durchaus gute Songs. Manche klingen, passend, wie Vampire Weekend, manche wie Phoenix, nicht die schlechtesten Referenzen. Manche gehen nicht nur ins Ohr, sondern bleiben auch ihre Weile dort. Say It hingegen bestand aus Skizzen, die durch nichts zusammengehalten wurden denn durch eine beinahe übermenschliche Kraftanstrengung, durch den Willen, sie irgendwie zusammenzuhalten, wo ihre Elemente doch wie sich abstoßende Pole auseinanderstieben. Nicht immer hat das funktioniert, aber es war genau diese Energie, Explosion fatal kombinierter Stoffe, Energie des hoffnungslosens Dagegenhaltens, die diese Band so besonders machte. Und die nun beinahe verschwunden ist. There's a place in my mind's bookshelf / For the song I'll never sing / It goes "woohooh, wooohooh", hieß es im Stück Nova Leigh. Schade, dass die (aber ja doch: angenehmen, vielseitigen, schönen) Songs, die die Born Ruffians nun wirklich singen, diese wortlos jubilierende Begeisterung nicht mehr verströmen. "Born Ruffians - Birthmarks" vollständig lesen We Are Modeselektor21. April 2013 / Kategorie: Tonträger Techno ist ja ein Musikgenre, welches oftmals recht anonym wirkt. Gewiss kann eine Technoplatte ähnlich starke Emotionen wie eine aus dem Rock- oder Popbereich auslösen, doch schwingt bei ihr häufig eine gewisse geheimnisvolle Aura mit. Durch den weitgehenden Verzicht auf den „klassischen“ Gesang mit Strophe/Refrain verschiebt sich der Wahrnehmungs-Fokus des Hörers fast zwangsläufig auf andere Ebenen – Stimmungen und Atmosphären gewinnen an Bedeutung. Mit dem Verschwinden der Stimme tauchen interessanterweise meistens auch die Macher der Musik in diffuses Licht ab. Künstler wie Burial oder Daft Punk spielen mit diesem Aspekt. Der eine versteckt seine ganze Identität, die anderen ihre Gesichter hinter Masken. Modeselektor sind solche Künstler nicht. Sie tauchen weder ab, noch sind ihre Alben ausgesprochen instrumental angelegt. Und dennoch bleibt ein Projekt wie Modeselektor noch immer gesichtsloser oder geheimnisvoller als die Präsenz der meisten Rock- und Pop-Bands. Mit der jetzt erscheinenden Dokumentation „We Are Modeselektor“ stellt sich aber einmal die Technomusiker selbst in den Vordergrund. In 72 Minuten wirft das Filmemacher-Duo Romi Agel und Holger Wick einen ausführlichen Blick auf das Musiker-Duo Gernot Bronsert und Sebastian Szary. Die beiden sympathischen Techno-Begeisterten werden in zahlreichen Interviews kurzweilig vorgestellt. Da die beiden auch Plattenbosse sind, ist „We Are Modeselektor“ auch ein Porträt ihrer beiden Labels Monkeytown Records und 50Weapons. Der Film lässt aber nicht nur Modeselektor selbst mit interessanten Anekdoten zu Wort kommen, sondern auch langjährige Weggefährte wie z. B. Sascha Ring (Apparat) oder Ellen Allien. „We Are Modeselektor“ zeigt Bilder aus dem Studio und dem Tourbus und auch der Blick ins Private abseits des Musikalltags kommt nicht zu kurz. „We Are Modeselektor“ erscheint am 3. Mai auf DVD und Blu-ray. www.modeselektor.com Matthew E. White (Auf Tour und So!)11. April 2013 / Kategorie: Events So sehr ich Musik liebe, so viel wie ich höre, es mag das Alter sein oder mein viel zu breit gefächerter Geschmack: Ich kann die klassische Musikstilanalyse nicht mehr, die typischerweise von einem verlangt wird, der über Musik schreiben will.In der Elektronik hatte ich das schon aufgegeben, bevor ich es überhaupt begonnen hatte. Mir war es schlicht egal. Aber auch bei nicht-elektronischer Musik: Ist es mir vielleicht so egal geworden, dass ich es nicht mal mehr kann, wenn ich mich bemühe? Bin ich unfähig? Warum schreibe ich das eigentlich? Nun eigentlich möchte ich über Matthew E. White schreiben. Über sein großartiges 2012er Album "Big Inner". Über seine Tour, die hierzulande in München, Berlin, Hamburg und Köln halt macht. Die Plattenfirma schreibt daz "Mischung aus Country, Soul und Funk". Janun, so leicht kann man es sich machen. Funk sind aber wiederum nur Anleihen dabei, Soul schon eher. Ist es Country? Singer/Songwriter? Und was macht all die Moderne da drin, die sich so elegant an die 70er anlehnt? Randy Newman, heisst es, ist das große Vorbild von Herrn White. Jesus ein anderes. Überhaupt: Die Texte über das Leben, die Liebe und eben Gott. Ein wenig schwingt die Gospel-Kirche immer mit, manchmal auch mehr wie bei "Gone Away", dann wird es mit "Steady Peace" wieder countrig. Aber seht ihr, ich gebe mir schon wieder Mühe, Schubladen zu finden. Dabei ist Matthew E. White eben schöne Musik. Zum Reisen, zum heimkommen und bestimmt auch zum verliebtsein. Tourdaten: 15.04.2013 München - Strom 17.04.2013 Berlin - Privatclub 18.04.2013 Hamburg - Knust 19.04.2013 Köln - Gebäude 9 Langhorne Slim & The Law - The Way We Move24. March 2013 / Kategorie: TonträgerÜber Langhorne Slim zu schreiben, ist zuerst natürlich eine kleine Hommage an Lukas Lassonczyk, der mittlerweile seinen Musik- und Sprachverstand in den Dienst der dann doch etwas professionelleren ASIWYFAB gestellt hat, nicht eine Notwendigkeit – denn, wie etwa neulich die intro angesichts von The Way We Move knapp konstatierte: Der Mann schreibt tolle Songs, aber die Zeiten haben sich a-geändert und feuriger Folk jeden Hotshitfaktor verloren. Lukas debütierte seinerzeit auf e)) mit einer Kritik zum Debüt When the Sun’s Gone Down, beziehungsweise mit dem Verweis auf ein Ereignis um Slim und die damals sehr ähnlich klingenden Two Gallants: "Der Rest der Geschichte ist bekannt" – nun, ich rätsele schon länger, ich habe es vergessen. Vielleicht mal Thomas Meinecke fragen, der vergisst nie. Langhorne Slim jedenfalls ist noch immer da, und er macht noch immer, mittlerweile mit seiner Band The Law, seine eher traditionellen, aber wunderschönen, energetischen, charmanten LoFi-Folk-Rock’n’Roll-Lieder. Und meine Kritik, it goes like this: Da lang gehen dann, eines frühen Morgens, und über dem weiten Feld, über dem knirschenden Schnee, hinter dem Rauch der Schornsteine, hinter den Häusern ein Leuchten, rot und wild zerfließend, das wächst, aufsteigt, den Himmel rosarot anmalt und den Schnee tiefblau und golden, und es ist klar, in diesem Moment: Du, Sonne, bist schon Frühlingssonne, und wenn der Schnee unter meinen Füßen knirscht – da singen doch die Vögel, und es ist klar, wie sie singen: Ihr, Vögel, seid schön Frühlingsvögel. So hat, aus dem Nichts heraus, am Palmsonntagmorgen das Leben begonnen. Und hätte auch begonnen, wäre ich nicht ganz glücklich gewesen und hätte sich nicht da über das Dröhnen in meinen Ohren Langhorn Slims Stimme gelegt, hätte sie nicht gerade da, in diesem Moment, gesungen, wie die Vögel singen und dass der Frühling sicher kommen wird, davon, wie die Sonne (den lord lasse ich einmal stillschweigend beiseite) seine Wild Soul erlösen wird, as kitschy as it gets, na klar, aber hätte er nicht seine Weise gepfiffen, gäbe es einen Moment schlichter Magie weniger auf der Welt, und das wäre doch sehr schade. ![]() "Langhorne Slim & The Law - The Way We Move" vollständig lesen Low - The Invisible Way24. March 2013 / Kategorie: Tonträger Mit stoischer Ruhe veröffentlichen Low seit nunmehr 20 Jahren ihre Alben. Scheinbar losgelöst von irgendwelchen musikalischen Moden oder Revivals bleiben sie ihrem eingeschlagenen Stil dabei stets treu. Ihr Markenzeichen sind und bleiben die langsamen Songs voller Melancholie und Verträumtheit. Das soll aber nicht heißen, dass ein Low Album dem anderen gleicht. Die Band aus Duluth in Minnesota packt ihre Melodien oft in sanfte Arrangements, scheut sich aber nicht davor, ebenso lautere, kraftvolle Wege einzuschlagen. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die einzelnen Songs und Alben. Nachdem ihr letztes Werk „C'mon“ eher in ruhigen, aber auch poppigen Gefilden angelegt war, ist ihr neues Album „The Invisible Way“ besonders zurückhaltend und behutsam ausgefallen. Nur ganz selten wird die Band etwas lauter. Im Vordergrund steht ein schlanker, intim wirkender Sound, der vor allem dem Gesang viel Raum schenkt. Diesmal ist hierbei Alan Sparhawk seltener zu hören. Den großen Auftritt erhält Mimi Parker, die mit ihrer gefühlvollen Stimme für eine Menge Zerbrechlichkeit auf den neuen Stücke sorgt. Gewiss war die Musik von Low noch nie für die leichten, unbeschwerten Momente gedacht. Auch auf ihrem zehnten Album sind die Themen streckenweise dunkel und düster. Doch es gibt wie auf „Just Make It Stop“ auch lebensbejahende Töne zu hören. Aber egal in welche Richtung die emotional gefärbte Musik von Low ausschlägt, die Melodien sind stets zum Niederknien. Zehn Alben von Low stellt ein kleines Jubiläum dar. Angesichts der Tatsache, dass es dabei kein schlechtes Low Album gibt, ist das trotz aller traurigen Töne wahrlich ein Grund zum Jubeln. http://chairkickers.com ReBEAT I: David Hasselhoff, Andrea Schroeder, Colt Silvers, Sycamore Age, Jorge Mario Bergoglio22. March 2013 / Kategorie: oder so
Nachdem ich im Laufe der letzten Monate mich hier von Tief zu Tief geschleppt habe, nun ein neuer Ansatz: ReBEAT, ein doofer Name, zugegeben, aber sinnvoll, bezieht er sich doch auf eine Art, über Musik zu reden, wie sie in den 1970er und 1980er Jahren im Warholschen Interview der hierzulande unbekannte, aber grandiose Dandy Glenn O'Brien etabliert hat. Seine BEAT-Kolumnen waren ein Ort radikaler Subjektivität, an dem einige großformatige Seiten lang Gossip, Tagebucheinträge, Poptheorie, runtergekloppte Plasttenkritik und detaillierte Analyse einträchtig nebeneinander existierten und etwas sehr tolles, spannendes Neues zum Leuchten brachten. O'Brien hat damit im Grunde durchaus die Struktur des Blogs vorweggenommen – so gesehen ist, wenn ich nun wieder in die Printstruktur zurückkehre, weg vom Rhizom, Fragment, hin zum fragmentierten, rhizomatischen Gesamttext, das auch eine Reflexion über die Bedingungen des Online-Schreibens. Und alles mögliche andere. Vor allem natürlich meiner Lust geschuldet, anders zu schreiben, weg von der Fließbandkritik, hin zum Zeitgeist. Das soll nicht die Einzelkritik ersetzen, die mag ich auch sehr gerne, aber ergänzen. Und Platz schaffen für den vielen Schrott auch, den ich unverlangt zugesandt kriege und den ich nie besprechen würde, weil es zuviel Aufmerksamkeit und Arbeit wäre und der hier in zehn Zeilen gut weggerockt werden kann. Und so weiter. Ich weiß nicht, wie gelungen das ist, auch ich muss mich neu daran gewöhnen. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen. Merci.
Nun also, zum ersten Mal und von nun an wöchentlich: ReBEAT, heute mit: David Hasselhoff an der Berliner East Side Gallery, Andrea Schroeders Single Helden, neuen Alben von den Colt Silvers und Sycamore Age und, natürlich: den Kardinälen Ratzinger und Bergoglio. "ReBEAT I: David Hasselhoff, Andrea Schroeder, Colt Silvers, Sycamore Age, Jorge Mario Bergoglio" vollständig lesen DJ Koze - Amygdala17. March 2013 / Kategorie: Tonträger Stefan Kozalla hat seine Fans stolze 8 Jahre auf ein neues DJ Koze Album warten lassen, es dafür aber ziemlich ambitioniert angelegt. Zum einen hat das Album eine nahezu episch lange Spielzeit erhalten: Es umfasst 13 Stücke, wobei die meisten Tracks mindestens fünf Minuten lang sind. Kozalla haut aber vor allem in Puncto musikalische Gäste ordentlich auf die Pauke: Zu hören sind Dirk von Lowtzow, Sascha Ring, Ada, Milosh, „Tomerle & Maiko“, Dan Snaith und Matthew Dear. Strahlender Höhepunkt bei den Gaststimmen ist aber Hildegard Knef auf Koze's Hit „Ich schreib dir ein Buch 2013“. Wo die meisten Künstler aufgrund dieser Stimmenschar eher ein kunterbuntes Kauderwelsch kreieren, baut Koze aus diesen vielen Einflüssen mit Bravour ein stimmiges Gesamtwerk. Kozalla ist ja besonders als begnadeter DJ bekannt und damit eben auch als ein Confiseur mit besonders geschmackvollen Händen bzw. Ohren. Auf „Amygdala“ präsentiert er ein stringentes Sounddesign mit wunderbaren Klangnuancen, die aber hin und wieder auch einmal Nervpotential haben (das Geflöte auf „Royal Asscher Cut“ zum Beispiel). Die sanften House-Grooves stehen auf seinem neuen Album im Vordergrund. Aber DJ Kozes House-Entwürfe sind ebenso wenig plumpes Standard-Geklopfe wie z. B. die Tracks von Four Tet oder Daphni. „Amygdala“ gefällt mit einfallsreichen und ganz retrofreien Soul-Einflüssen, mit Stücken, die treibend und verspielt zugleich sind („Marilyn Whirlwind“, „My Plans“) und mit wunderbar entspannten und atmosphärischen Grooves („Das Wort“). „Amygdala“ kommt überwiegend leichtfüßig daher und wirkt trotz seiner epischen Länge meist recht kurzweilig. Zudem sind Stefan Kozella in der langen Wartezeit für dieses zweite DJ Koze Album auch wieder ein paar stattliche Hits eingefallen. Damit ist „Amygdala“ eine grundgute und sympathische Platte geworden. Nicht mehr und nicht weniger. http://www.djkoze.de King Ayisoba - Modern Ghanaians12. March 2013 / Kategorie: TonträgerKing Ayisoba oder: Der seltenen Luxus, zu einer Musik etwas sagen zu können, statt bereits hundertfach Gesagtes neu zu verklausulieren. Denn: Es gibt, zumindest im Google-Horizont und in dem mir sprachlich verständlichen Teil des Internets kaum Informationen zu diesem ghanaischen Künstler und noch weniger eine Besprechung seines ersten europäischen Releases, dem Best-Of Modern Ghanaians. Dabei wollte ich doch so gerne so viel verstehen! Vor allem, wie viele Menschen denn nun eigentlich singen, wenn King Ayisoba singt, denn so unterschiedliche Charaktere mit völlig unterschiedlichen Gesangsstilen stehen da am Mikro (Antwort: Einer!). Und wie man eigentlich diese zugleich abgeklärt-lakonischen wie irren Anfeuerungsrufe zu verstehen hat, die am Anfang, in der Mitte und am Ende aller Songs stehen. Und vor allem: Wie verdammtnochmal schreibe ich die auf, ohne mich zu fühlen wie ein Kolonialbeamter, der nach dem Schädelvermessen noch die Muße hat, die Namen aller Berge im Umland zu kartographieren und dabei die Sprache der Indigenen überheblich schmunzelnd, aber durchaus gutmütig verballhornt (Antwort: Keine Ahnung). Was ich stattdessen erfahre, auf den paar Seiten, die es gibt: Ayisoba ist ein Popstar in Ghana, steht in den Entertainment-Rubriken ghanaischer Websites neben den üblichen Hollywood-Größen – weil er, wie etwa GhanaWeb schreibt, von allen genossen werden kann: „By the illiterate farmer as by the business executive“. Seine Musik bewegt sich zwischen den traditionellen Musikstilen – sein Instrument ist die Kologo, eine zweisaitige Laute –, modernen Afro-Beat-Spielarten, Highlife, Hiplife, HipHop, Torch-Songs, zwischen verschiedenen Sprachen, Frafra, Twi, Englisch (und auch den üblichen Themen – Familie, Gott, Afrika, mit den üblichen unangenehmen Momenten). Und nebenbei erfährt man dann auch noch: King Ayisoba kifft wohl nicht wenig, hat drei Frauen, nennt LPs „the big cassette“ (während die tatsächlichen MCs, auf denen seine Musik sich üblicherweise und überaus erfolgreich verkauft, allzu häufig raubkopiert werden) und kam im Alter von drei Jahren durch den Orakelspruch eines Wahrsagers zu seinem Instrument. Und das alles kann ich schreiben, weil es vor mir, in meiner Sprache zumindest, noch niemand getan hat. Und weil es Spaß macht, eine solche Ansammlung Details zwischen haarsträubender Exotik und üblichem Starrummel einmal nicht auf dem für den europäischen Markt geschriebenen Promo-Wisch zu finden, sondern sich seinen Exotismus selbst zu basteln. Statt dann darauf rumzuhämmern, dass das ja alle – zumindest die paar Menschen, die die LP in die Hände kriegen werden, nur hören, weil es über die Fremdartigkeit den eigenen Eskapismus füttert, einfach selbst einmal sich den eigenen Eskapismen hingegeben. Oder besser: Ganz unschuldig dem Interesse, der Neugier. Weil das einmal ausnahmsweise nicht die Scheiße siebter Ordnung ist, sondern vielleicht die zweiter oder dritter. Dabei funktioniert King Ayisobas Musik gar nicht über die Wahrnehmung als eine fremde. Und warum auch: Afrikanische Musik mit traditionellen Elementen, Rap, nicht-englischsprachigen Lyrics, mit Allerlei und Groove, das macht doch jede zweite Brooklyner Kellerband. Nein, diese Musik funktioniert anders, weil sie eben nicht aus dem Diskurs des Hipster-Pop kommt, sondern aus populären ghanaischen Musikdiskursen. Und genau darin liegt der Schlüssel, wie man diese Musik hören sollte. Als: Pop. Nicht als den großgeschriebenen Beatles-POP, sondern als den Pop von Justin Timberlake und Lady Gaga. Als populäre Musik. Extrem eingängig, äußerst tanzbar, handwerklich unglaublich gut, gleichermaßen ganz im Jetzt und ganz in der Zeitlosigkeit verankert. Ich habe es sehr genossen. John Grant - Pale Green Ghosts8. March 2013 / Kategorie: TonträgerAls mir John Grant zum letzten Mal begegnete, war er ein behäbiger Las-Vegas-Crooner mit Symphonieorchester, jetzt ist er ein hipper Hiob aus der Hercules-And-Love-Affair-Posse, der zusammen mit GusGus die 80er nachbaut. Erinnert sich noch wer an Vincent, einen Roman von Joey Goebel, in dem das Leben eines zur Depression neigender Jungen durch dubiose Freunde der Hochkultur gehijackt wird, die ihn mit auch noch jedem erdenklichen Übel konfrontieren, weil nur aus Leid große Kunst entsteht? Nun, so ähnlich, nur ohne die finsteren Hintermänner, liest sich auch, was John Grant hinter sich hat. Pale Green Ghost, sein zweites Solowerk nach dem Ende der Czars, ist ein radikal autobiographisches Album. Das zeigt vor allem in den erneut überragenden Texten. Statt, wie in der langen Geschichte der Songtexte üblich, Identifikationen anzubieten, Andockfläche für Emotionen des Publikums zu sein, sind die Texte dieser Platte, auch wenn sie nicht hermetisch abgeschlossen sind, doch sehr speziell mit dem Leben und Leiden Grants verbunden. Sich ihnen hinzugeben: Ein bitterer Genuss (es sei denn, man empfände auch offen schwule Trennungssongs als reaktionäre Pärchenkacke, was ich durchaus für vertretbar hielte – dann wird das alles schnell unerträglich). Auf musikalischer Ebene, auf der sich gegenüber dem Vorgänger Queen of Denmark viel verändert hat, wo nun statt einem Middle-of-the-Road-Folk-Klangbild klassisch-kühle Elektronik auf dunkle Elegien trifft, ist das Album eher durchwachsen. Zwar sind die Songs und Sounds oftmals interessant, manchmal schön, bizarr, gar berührend. Das eröffnende Titelstück und Ernest Borgnine sind sicher herausragend. Ich mag nur leider die Stimme Grants überhaupt nicht, deren Fähigkeit, zu Betören und die, alles mit zähflüssigem Honig vollzukleistern, sehr dicht beieinander liegen. Als ich vor einigen Tagen im ersten Frühlingsintermezzo grippierend und eingepackt wie auf dem Zauberberg in der Abendsonne saß, war diese opake Schönheit etwas sehr Wertvolles. Heute, etwas fitter, bei viertem Durchlauf und grauem Himmel, kommt mir das Album eher wie kitschiges Kunsthandwerk vor. Eine weitere Parallele zu Vincent tut sich da auf: Die Frage, ob nun wirklich Leid die Voraussetzung ist, große Kunst zu schaffen, wird einfach nicht beantwortet. "John Grant - Pale Green Ghosts" vollständig lesen Unknown Mortal Orchestra - II6. March 2013 / Kategorie: TonträgerEin paar Wochen sind mittlerweile vergangen, seit das Unknown Mortal Orchestra sein zweites Album II veröffentlichte. Die Zeit hat dem Album gut getan, insofern, als nach der ersten Phase des Einordnens in postmoderne Referenzspielchen mehr und mehr die genuine Qualität der Musik in den Vordergrund rückte. Nicht, dass das zu deutlich voneinander getrennt werden sollte, besteht ein Großteil der Freude, die dieses Album macht, doch genau darin. Basic facts, noch einmal: Nach dem selbstbetitelten Debüt von 2011, das mit zauberhaft einfachen Melodien im Minutentakt die Sonne aufgehen ließ, zieht sich Ruban Nielson nun in ein surrealistisch-psychedelisch verfremdetes 70er-Rock-Universum zurück, das mit Versatzstücken von Spät-Beatles bis Led Zeppelin (und eben dem Haufen Bands in dieser triumphalen Zwischenperiode zwischen Beat und Prog, den wir alle nicht wirklich kennen) um sich wirft wie mit Konfetti. Herausragend ist dabei vor allem die Schluffigkeit, mit der das geschieht, wie Gitarren, die nach Pathos schreien, mit einem Habitus gequeert werden, der immer genau weiß, wie viel Spaß das macht, gerade, weil man es nicht allzu ernst nehmen sollte – allein das Cover! Mit dieser Wicca-Jüngerin! Super! Damit nimmt das Orchestra einer potenziell ekligen Musik tatsächlich alle Ekligkeit. Was ja schon für eine lobende Erwähnung reichen würde, aber dann breitet Nielson diesen etwas campen Klangkosmos noch dazu in tollen Pop-Songs aus. Steigt mit einer verträumt-psychedelischen Suizid-Ballade ein (From the Sun), gefolgt von dem tollen King-Crimson-in-Pop-Song Swim and Sleep (Like a Shark). Zur Mitte hin zerfranst das Album dann leider etwas ziellos in ausufernden Rock-in-Rock, den ich nicht so spannend finde, aber das schmälert den überaus positiven Gesamteindruck nur wenig. "Unknown Mortal Orchestra - II" vollständig lesen Big Harp - Chain Letters28. February 2013 / Kategorie: Tonträger Bei den White Stripes durfte lange darüber gerätselt werden, ob ihre beiden Protagonisten nun jemals ein verheiratetes Pärchen war oder nicht. Bei Big Harp, einem weiteren amerikanischen Mann-/Frau-Duo wird daraus keine geheimnisvolle Geschichte gebaut. 2007 haben sich Chris Senseney und Stefanie Drootin-Senseney kennen gelernt, verliebt, eine Band gegründet und irgendwann auch geheiratet. Mit „Chain Letters“ ist nun auf Saddle Creek das bereits zweite Album erschienen. Die beiden schrammeln auf dem gut 36 minütigen Album munter drauf los und beweisen, dass auch das x-te Minimalisten-Duo eine gewisse Daseinsberechtigung hat. Ganz ähnlich wie ihre Rumpelkollegen von The Kills, White Stripes und The Raveonettes pflegen Big Harp eine ausgeprägte Leidenschaft für vollmundig klingende Vintage-Sounds. Auch in Sachen Coolness steht dieses Duo ihren Kollegen in Nichts nach. Sie verpacken ihre schmeichelhaften, charmanten Melodien in ein ruppiges Klanggerüst. Dieses wirkt wie in „It's Easy To Be Strange“ mal brüchig zurückhaltend oder wie in „Good News“ aufbrausend energievoll. Über allem weht dabei stets ein Hauch sanfter Melancholie und ganz viel 60ties Charme. Um in Bildern zu sprechen: „Chain Letters“ führt den Hörer direkt in die verrauchte Kellerbar, in der neben Whiskey und Bier höchstens noch starker Kaffee ausgeschenkt wird. Als Gäste in dieser Bar schauen Nick Cave, Quentin Tarantino und Jack White vorbei. Aus dem Radio schallt dreckig-schrullige Popmusik mit viel Blues- und Gospel-Einflüssen. Es läuft „Chain Letters“ von Big Harp … eine bislang mehr oder minder übersehene Mann-/Frau-Kombo aus L.A., die auch nicht besser, schlechter, origineller oder langweiliger als die eingangs genannten Kollegen ist. http://bigharp.com/ Field Rotation - Fatalist: The Repetition of History27. February 2013 / Kategorie: TonträgerEs bedarf des Lichts eines hellen Tages, zu entschlüsseln, wohin der Wegweiser auf Jan Schoofs Gemälde auf dem Cover von Field Rotations Zweitwerk nun lenkt, so tiefschwarz in schwarz ist die Nacht. Und so sehr man sich in den aufziehenden Nebelwänden von Fatalist: The Repetition of History Leitung und Richtung wünscht, deutlicher als der dem Blick entzogene Pfeil im undurchdringlichen Dunkel könnte kein Weg zu dieser Musik führen: Nachtmusik, Schattenmusik, Dröhnmusik. Und gesättigt an Diskursen: Freud und Nietzsche und griechische Philosophie hier verschwurbelt, in elektroakustische Klänge. The Uncanny, das erste Stück: Unbehagliches Dräuen; unbehagliches Dräuen, sakrales Pulsieren mit in die Talsohle des uncanny valley platzierten, verfremdeten weiblichen Gesang auch im folgenden Valse Fatale. Nur Kälte, Dunkelheit, Beklemmung. Ambient mag man diese Musik nennen müssen, wie sie so dahingleitet, sich sphärisch entfaltet, Ambient ist sie aber nicht im eigentlichen Sinne, dass sie im Hintergrund der Wahrnehmung bleibt, sich zurücknimmt. Fatalist fräst sich in die Köpfe, materialisiert sich wie die Phantome der Séance, steht auf einmal viel zu körperlich neben deinem Bett, schneidet scharf mit Geigenbögen, erdrosselt langsam mit den Saiten des Klaviers. Und es kommt eben keine Erlösung, eben nicht die fragile Schönheit oder irgendein Silberstreif am Horizont, wird konsequent das naheliegende Wohlgefühl verweigert (zugunsten eines komplexeren), sind Melodien immer wieder nur das schwache Kräuseln an der Wasseroberfläche der Styx, bloß Ideen, die nie ins Licht stoßen, aber zugleich der Gestalt der Klänge Textur geben. Fatalist: The Repetition of History ist von einer gewissen erhabenen Größe. "Field Rotation - Fatalist: The Repetition of History" vollständig lesen
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